26.09.2019 1

«Wie machst Du das alles mit dem Diabetes?» – ein Tipp für mehr Motivation

«Woher nimmst Du immer Deine Energie und Motivation, um so viel Sport zu treiben, selbstständig zu arbeiten, Deinem Diabetes Sorge zu tragen und Dich auch noch um Deine Frau zu kümmern?» Diese Frage höre ich immer wieder. Heute möchte ich deshalb meine Tipps für mehr Energie und Motivation mit Euch teilen. Nehmen wir die Punkte etwas auseinander:

Gesunde Ernährung und Bewegung für mehr Energie

Woher ich meine Energie habe, weiss ich genau: ich ernähre mich gesund ;-). Ausserdem betreibe ich Sport, weil er mir guttut und mir Energie gibt. Ich kann nach einem strengen Arbeitstag, erschöpft aus meiner Praxis kommen und das Gefühl haben: „Ich bin todmüde, am liebsten würde ich jetzt schlafen“ – sobald ich auf meinem Fahrrad sitze oder los jogge ist die ganze Müdigkeit wie weggeblasen und ich fühle mich wie neu geboren! Da meine Frau dieselbe Erfahrung gemacht hat und den Sport sogar noch mehr liebt wie ich, ist die Beziehungspflege einfach – wir treiben zusammen Sport und besprechen dabei allerlei Wichtiges!
Doch woher nehme ich dazu noch die Kraft und Motivation, mich um den Diabetes zu kümmern?

Wie ich zu meiner Motivation gelangte

Ich habe gelernt, dass Motivation die Kraft sei, die man hat/aufwendet, um ein Ziel zu erreichen! Doch was sind meine Ziele bezüglich des Diabetes?
Keine Folgeerkrankungen zu bekommen? Ja klar, realistisch gesehen will das ja niemand! Aber irgendwie ist das drohende Damoklesschwert zu weit weg. Ich bin fit und habe keinerlei Anzeichen bezüglich Folgeerscheinungen – das kann es also nicht sein!
Ein gutes HbA1c? Ja klar, irgendwie schon, aber wieso? Weil’s der Arzt toll findet? Was habe ich davon? Ein paar Komplimente – darauf fahre ich aber nicht so ab! In meiner Jugend war es tatsächlich mein Ziel, die Diabetologin zufrieden zu stellen – sie nervte. Die Motivation nach der Kontrolle war jeweils brutal hoch – für 2-3 Wochen. Und danach – wurde ich wieder nachlässiger. Das Ziel ging vergessen bis der nächste Kontrolltermin näher rückte.
Irgendwann begann sich dies aber zu ändern. Zu dieser Zeit nahm ich an Inlinerennen teil und absolvierte gleichzeitig eine Kochlehre. Alles unter einen Hut zu bringen war schwierig – einerseits, weil beides körperlich anstrengend war und andererseits, weil die Zeit zum Trainieren, neben dem Lernen, schlichtweg meistens fehlte! Irgendwann fragte mich jemand, wieviel Zeit und Energie ich ins Training stecken würde – und wieviel Zeit ins Diabetesmanagement. Und ob mir bewusst sei, dass ich sportlich deutlich mehr leisten könne, wenn mein Blutzucker weniger Wellenbewegungen unterworfen sei. In der Diskussion kam auch der Punkt auf, dass mir eine gute Diabeteseinstellung wohl mehr bringen würde als ein einzelnes Training.
Ich nahm mir das zu Herzen und schaute besser auf meinen Blutzucker. Da ich mich dadurch fitter, wacher und leistungsfähiger fühlte (im Sport wie auch in der Lehre), war ich umso motivierter, dran zu bleiben. Ich machte positive Erfahrungen mit der guten Einstellung. Ich hatte und sah einen Nutzen darin, Zeit ins Diabetesmanagement zu investieren.

Mein Tipp: ein «echtes Ziel» für mehr Motivation

Die logische Schlussfolgerung wäre ja nun: „Man muss einfach nur wollen“. Klar, das ist leider nicht so einfach. Aber es lohnt sich, sich folgende Punkte zu überlegen:

  • Welche Vorteile habe ich durch eine gute Diabeteseinstellung?
  • Welche Lebensziele sind erstrebenswert und wie erreiche ich sie mit/trotz Diabetes?
  • Welche Träume habe ich und welche Rolle könnte da der Diabetes spielen?

Ich bin sicher, dass allen irgendwann eigene Gründe zu Vorteilen eines gut eingestellten Diabetes einfallen. Nicht daran herumstudieren, warum wir ihn haben, sondern: Was wollen wir mit ihm noch erreichen.
Im Leben, im Beruf, im Alltag, in der Familie oder im Sport – verratet mir doch Eure Ziele mit Eurem Diabetes hier in der Community.

1 Kommentar

  • habe diabetis 2 ,seit ich nicht mehr insulin spritzen muss ,1 x in der woche ozemig fix dose , geht es mir ausgezeichnet ,esse alles schokolade ,chrömli ,usw wirklich alles nur sehr sehr wenig von allem
    habe seit 15 monaten 18 kg abgenommen
    gruss an alle walter schöni

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Autor

Martin Ruegge

Martin Ruegge arbeitet als dipl. Ernährungsberater HF/SVDE in der Region Bern (zu 40% in einer Klinik, die restlichen 60% selbstständig). Er ist seit über 30 Jahren Typ1 Diabetiker und hat seinen Diabetes vor allem dank viel Ausdauersport im Griff. Er greift in seinen Beiträgen Themen rund um die Ernährung auf.

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